Rollenprüfstand für Modellbahnen
 im Eigenbau (Spur IIm;)
(Jänner 2005)
Anleitung zum Bau eines Rollenprüfstandes für LGB Lokomotiven

 

Einführung:

Nach Erweiterung meiner LGB Anlage mit dem "digitalem System" habe ich es für notwendig erachtet einen Rollenprüfstand zu bauen. Notwendig ist so ein Rollenprüfstand vor allem um neue Lokomotiven ohne aufgebaute Gleisanlage auszuprobieren und herzuzeigen sowie um die Funktionsprobe von selbst um/eingebauten digital Decodern durchzuführen. Es gibt Rollböcke natürlich käuflich zu erwerben, die sind aber relativ teuer und außerdem macht es Spaß so was auch selbst zu bauen. Wenn man sich Mühe gibt, wird das Ergebnis auch optisch einem gekauften nicht allzusehr nachstehen. Das wichtigste ist es aber doch, daß die Funktionalität gegeben ist.
 
Lok am Prüfstand

 

Kosten:

Rollböcke werden in Geschäften oder auch ebay angeboten. Je nach Ausführung günstig bis teuer, wobei soweit ich recherchiert habe 15€ je Rollbock die absolute Untergrenze darstellt.

Meine Eigenbau Rollböcke kosten je Stück ca. 6 bis 7€, wobei der kostenrelevante Teil die Kugellager darstellen, die ca. 1,2€ je Stück ausmachen. Wenn billigere Lager verfügbar sind, sollten diese verwendet werden. Ich habe jedoch nichts wirklich billigeres gefunden, kleinere Lager werden auch nicht mehr im Verhältnis zur Größe billiger!

Bei Bedarf kann ich auch fertige Rollböcke oder günstige Kugellager abgeben - Kontakt hier

 

Verwendetes Baumaterial:

Je Lokomotivenachse benötigt man einen Rollenbock, der aus 4 Kugellagern, 2 Aluwinkeln und einer Kunststoff Basisplatte besteht. Sinnvoll erscheint es mir zumindest gleich 4 Böcke zu bauen, damit man auch zweimotorige Lokomotiven draufstellen kann. Außerdem sind die Böcke dann baugleich. Bei späterem Nachbau eines Bockes bereiten mögliche Materialunterschiede vielleicht Probleme. Wichtig ist vor allem, daß die Spurweite (samt Flucht!) stimmt und die Aufliegepunkte der Lokräder immer gleich hoch sind!
 
Baumaterial
  • Aluminiumwinkel
    • 20x20mm; 1,5mm Wandstärke; ca. 1m Länge
    • leicht erhältlich in jedem Baumarkt
  • Plexiglas
    • 44mm Breite; 3 bis 4mm Dicke, ca. 500mm Länge
    • wird im Baumarkt sogar zugeschnitten
  • Kugellager
    • ich habe für meine Zwecke Lager für Inlineskater genommen
    • Außendurchmesser 22mm; Innendurchmesser 8mm; Breite ca. 5mm
    • um keine allzudicken Schrauben zu verwenden habe ich den Innendurchmesser mittels Hülsen auf 6mm verkleinert. Die verwendeten Hülsen wurden aus einem Alurohr selbst geschnitten.
  • Hülsen zur Verkleinerung des Kugellager Innendurchmesser
    • Alurohr 8mm Außendurchmesser, 1mm Wandstärke, einige cm Länge reichen
    • Baumarkt
  • Schrauben, Beilagscheiben und Muttern

Aufgrund der Kugellagergröße ergibt sich eine Breite von ca. 5cm je Rollbock. Da meine Kugellager 8mm Innendurchmesser haben, ist es sinnvoll diese mit einer Hülse zu versehen und den Innendurchmesser so auf 6mm zu verringern. Dann können auch M6x20 oder M6x16 Schrauben verwendet werden, die deutlich kleiner sind als M8 Gewinde (man umgeht so unnötig große Löcher in die Aluwinkel zu bohren). Die Hülsen werden aus dem Aluroh mit der Handmetallsäge geschnitten und sind gerade so breit wie die Kugellager. Sie werden in die Lager gesteckt und danach wir auch gleich eine M6 Schraube durchgesteckt und an das andere Ende eine Beilagscheibe geschoben.
Je gebautem Rollbock werden 2 Stück Aluwinkel und 1 Stück Plexiglas abgeschnitten (Metallsäge für beides). In die Aluwinkel werden nun an einer Seite die Löcher für die Befestigung am Plexiglas gebohrt (M4 Schrauben oder kleine Blechschrauben reichen aus). An der anderen Seite müssen die Bohrungen für die Lager gemacht werden. Es muß sehr präzise gearbeitet werden, am besten geht es mit einer Standbohrmaschine. Die Lager müssen alle gleich hoch im Aluwinkel angebracht werden, ebenso muß der Achsenabstand immer gleich groß sein. Nur so wir die Lokomotive gleichmäßig aufliegen und wird nicht wackeln!
Die Lager mit Schraube werden nun durch die Löcher in den Aluwinkeln geschoben, so daß von innen nach außen der Schraubenkopf, das Lager, Beilagscheibe, Aluwinkel und zum Schluß die Mutter folgt. nach festem Anziehen der Mutter muß sich das Lager noch immer frei und leicht bewegen. Die Beilagscheibe überragt in meinem Fall Hülse und inneren Rand des Kugellagers.
Die fertigen Kugellagerbestückten Aluwinkel werden nun mit Blechschrauben auf das Plexiglas geschraubt. Wichtig ist nun, daß die Winkel exakt so befestigt werden, daß jeweils genug Platz bleibt, an dem die Winkel auf der Schiene aufliegen, der Abstand der gegenüberliegenden Lager exakt 45mm beträgt, die Flucht stimmt. Sonst kann die aufgebockte Lokomotive nicht richtig aufliegen! Ist das erledigt ist der Rollbock fertig und die weiteren können gebaut werden.

 

Die fertigen Böcke können nun ideal ins Gleis eingelegt werden, über die Aluwinkel wird der Strom zu den Lagern geleitet, von wo aus die Lok gespeist wird. Zwar ist das Durchleiten von Strom durch Lager nicht gut, da die Lagerlauffläche geschädigt wird, ich glaube aber nicht, daß das bei niedrigem Strom und Spannung (Modellbahn) eine große Rolle spielt, schließlich schweißen wir ja nicht! Die Lok kann nun am Stand Programmiert und ausprobiert werden.
fertige Rollböcke
mit Unteransicht

Erfahrungen und Verbesserungen:

Die verwendeten Lager sind eigentlich für Inlineskates gedacht - dadurch ergibt sich auch deren relative Größe. Der Außendurchmesser ist schon fast zu groß, geht aber gerade noch. Interessanter wäre es jedenfalls bei einem Neubau solcher Rollböcke Lager mit einem kleinerem Innendurchmesser zu verwenden. Ich glaube 4mm innen und ca. 12mm außen wären ideal, da man sich die Hülsen spart und gleich M4 Schrauben verwenden kann. Der Rollbock wird dadurch zwar nicht unstabiler, wirkt aber doch feiner gebaut und nicht mehr so klobig. Die Breite der Lager ist relativ egal, zwischen 3 und 5mm ist alles brauchbar. Für HO Bahnen muß sicherlich kleiner gebaut werden - es gibt auch Lager mit 2mm Innendurchmesser.
Die Aluwinkel liegen auf der Schiene aus und müssen Strom leiten. Die Oxidschicht des Alus verhindert dies allerdings bis zu einem gewissem Grad. die Winkel also kurz anschleifen und mit einer Kontaktpaste (z.B. Polschutzpaste für Autobatterie) die neuerliche Passivierung unterbinden. Stahlwinkel zu verwenden wäre auch möglich, diese passivieren nicht so leicht, sie sind aber etwas schwerer zu bebohren.
Statt des verwendeten Plexiglases kann natürlich jeder Kunststoff oder Holz etc. verwendet werde, was gerade verfügbar ist. Plexiglas sieht schön aus, wird im Baumarkt auch zugeschnitten kann aber auf Dauer zerkratzen.

 

Text: ©up,  

Photos: ©up

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