Bemalung von Figuren im Modellbau
Bevorzuge Maßstäbe: 1:22,5 (Spur IIm) 1:35; 1:72; 1:87 (HO)
 
Um im Modellbau ein möglichst realistisches Erscheinungsbild des fertigen Modells zu erreichen benötigt man zumeist auch passende Figuren. Ob die Figuren in einem Fahrzeug sitzen, oder als aktive Elemente stehend, laufend oder wie auch immer das Modell beleben, wichtig ist jedenfalls eine detaillierte Bemalung. Diese läßt die Figuren echt aussehen und rundet so den Gesamteindruck eines Modells/Dioramas ab. Der Text gibt meine eigenen Erfahrungen wieder, die ich zumeist selbst erarbeitet aber auch von anderen Modellbauern sowie aus diversen Artikeln in Modellbauzeitschriften erhalten und selbst ausprobiert habe.
    

Grundlagen der Bemalung

Durch eine entsprechende Bemalung soll nicht nur Farbe aufgetragen werden, sondern die Form und das Äußere einer modellierten Figur entsprechend hervorgehoben werden. Richtiges Herausarbeiten von von Details alleine durch die Farbgebung führt in Summe zu einer plastischeren Darstellung von Figuren. Durch die Bemalung alleine können Licht und Schatteneffekte verstärkt werden, der dreidimensionale Charakter einer Figur wird besser wahrgenommen.

Selbstverständlich können die nun folgenden Betrachtungen auch auf Modelle generell angewendet werden, jedoch nehmen Figuren (von Mensch und Tier) aufgrund der stärker strukturierten Oberfläche als z.B. bei einem Fahrzeug eine Sonderstellung ein.


Plastische Effekte werden durch Farbe hervorgehoben

Die richtige Ausrüstung

Neben der zu bemalenden Figur benötigen wir natürlich Farben, Pinsel und Palette. Gut geeignet sind Emailfarben (englisch: enamel) z.B. der Firmen Revell, Humbrol oder Trestor. Je nach Material aus dem die Figur besteht sollte man eine entsprechende Grundierung verwenden, das gilt vor allem für Metall. Ich verwende zumeist Figuren aus Hartplastik, da ist eine Grundierung nicht notwendig. Wichtig ist auch der Verdünner mit dem die Farben auf eine gut streichfähige Konsistenz gebracht und die Pinsel gereinigt werden. Zum Auswaschen der Pinsel reicht Verdünner im Fläschchen, zum Farbe verdünnen ist es besser etwas Verdünner in ein Pipettenfläschchen aus dem gesondert zur Farbe zugetropft werden kann abzufüllen.


Emailfarben und Verdünner

Ich verwende meist Emailfarben von Revell oder Humbrol. Diese diese leicht erhältlich und haften gut. Weitere Anbieter sind z.B. Trestor oder Model Master (Italeri); Gunze Sangyo und Tamiya stellen (auch wasserlösliche) Acrylfarben her. Acrylfarben sind rasch trocknend, gegen Stoß und mechanische Belastung aber stärker empfindlich als Emailfarben, wasserlösliche Farben sind umweltfreundlicher und vor allem bei Airbrush leichter zu reinigen, haben aber meist eine geringere Deckkraft. Es gibt Tafeln, die die Farbbezeichnungen der verschiedenen Hersteller gegenüberstellen.
Für Historische Modelle bieten die Hersteller viele Farben zu speziellen Themen an. Um möglichst nahe am Original zu bleiben, sollte man diese Angebote in Anspruch nehmen.

Farbton

Revell Nr. Humbrol Nr.
weiß
5
34
schwarz
8
33
gelb
15
24
rot
36
60
blau
56
25
Fleisch
35
61
braun
37
 

Die Pinsel sollten sehr fein (für kleine Details) bis relativ grob (größere Flächen) sein, sinnvoll sind z.B. Abstufungen von 3-0 bis 4. Es empfiehlt sich beim Pinselkauf in Zeichen- oder Malereigeschäfte zu gehen, die Pinsel sind zwar teurer aber von besserer Qualität und zusätzlich kann man dort meist auch Beratung bekommen. Zu billige Pinsel tendieren dazu sehr leicht (die meist auch nicht so feinen) Haare zu verlieren, was sich nicht positiv auf das Ergebnis auswirkt.

Als Palette eignet sich alles, was eine glatte Oberfläche hat und nicht von Farbe und/oder Verdünner angegriffen wird. Ich nehme gerne einen mit Alufolien beklebten Karton. Reiner Karton neigt dazu, die Farbe aufzusagen und löst sich auch teilweise auf, mit Alufolie beklebt ergibt das ganze aber eine stabile Palette mit idealer glatter Oberfläche. Zusätzlich zu Palette braucht man noch ein Blatt saugfähiges Papier (z.B. Küchenrolle) um den Pinsel ausstreichen zu können und Farbe von der Figur zu nehmen. Dazu eignen sich auch Wattestäbchen.


Pinselsortiment und Palette

Sollten noch einige Teile der Figur zu kleben sein, benötigt man natürlich noch Klebstoff und Modellbaukitt. Der Kitt eignet sich auch, um gegebenenfalls noch Details hinzuzufügen und plastisch herauszuarbeiten oder die Figur etwas umzubauen. Weiters braucht man ein scharfes Messer und eine Feile oder Schmirgelpapier vor allem um Gußgrat noch vor der Bemalung zu entfernen und manche Stellen der Figur noch nachzubearbeiten. Weiters eignen sich kleine Metallstiftchen, Plastikstangen oder Ähnliches als Halterungen für die separate Bemalung von Einzelteile wie Kopf, Arm, etc.


sonstiges Zubehör

Vorbereitung der Figur
Meist haben die Figuren noch Gußgrate und auch noch ganze Gußstümpfe. Beides muß vor dem Bemalen sorgfältig entfernt werden, sie fallen sonst später unschön auf. Messer Feile und Schmirgelpapier helfen dabei. Sollten Umbauten, Abänderungen oder zusätzliche Details modelliert werden, ist vor der Bemalung der richtige Zeitpunkt. Wenn Figuren aus mehreren Einzelteilen bestehen klebe ich diese nur dann vorher zusammen, wenn die spätere Bemalung dadurch nicht unnötig erschwert wird. Oft aber empfiehlt es sich, die Einzelteile getrennt zu bemalen und erst danach zusammenzufügen. Nach der Bearbeitung müssen die Figur aber sauber sein, da Fettreste etc. ein Anhaften der Farbe verhindern. Obwohl Emailfarben auch auf Metall relativ gut haften sollte man bei Metallfiguren zuerst eine Grundierung auftragen.

Figur mit Gußgrat und Gußrippen  

Folgt man historischen Figuren (z.B. Militär) so ist die Farbauswahl meist vorgegeben, bei "zivilen" Figuren hat man mehr Freiheit beim Auswählen der Farben.
Kleidungsstücke und Haut erscheinen zumeist nicht glänzend, matte Farben werden dem gerecht. Für glänzende Teile (blank polierte Stiefel, Lackleder, etc.) kann man glänzenden Klarlack zur eigentlichen Farbe zumischen. Je nach Menge erreicht man seidenmatt bis richtig glänzende Farbtöne. Natürlich kann auch über die getrocknete Farbe glänzend klar lackiert werden. Auf diese Weise man es sich sparen, alle Farben in matt, seidenmatt und glänzend zu kaufen. Ebenso spart man, wenn man Farben selbst mischt. Die meisten Farben kann man aus gelb, rot, blau, weiß und schwarz mischen. Für Hauttöne empfiehlt es sich auch Haut- oder Fleischfarbe zu kaufen, sinnvoll ist es auch, zumindest einen schönen Braunton zu haben.


matte Farben geben Kleidung gut wieder

Für das Bemalen selbst ist die richtige Farbkonsistenz ist sehr wichtig. Niemals sollte man die Farbe direkt aus der Dose verwenden, sondern stets etwas Verdünner zumischen. Am besten geschieht dies auf der Palette, indem man zur Farbe etwas Verdünner zutropft und diese dann mit dem Pinsel verrührt. Dadurch bekommt man auch gleich das Gefühl, wann die Farbe "richtig" ist! Wenn die Farbe nur schwer vom Pinsel will und schon am Pinsel zu Trocknen beginnt, ist sie zu dick. Zu dicke Farbe verdeckt die feinen Details der Figuren und ist unbedingt zu vermeiden. Rinnt die Farbe allerdings vom Pinsel und verläuft am zu bemalenden Objekt, ist sie zu dünn. Auch das macht Probleme, da sie nun dort hinrinnt, wo man die Farbe gar nicht haben will.  Hat die Farbe die richtige Konsistenz fließt sie vom Pinsel, deckt in einer dünnen Schicht, verläuft aber nicht. Hilfreich ist es die Farbe zunächst an einem saugfähigem Papier abzustreichen, um die richtige Konsistenz zu überprüfen.

Die Grundbemalung erfolgt mit der Hauptfarbe des jeweiligen Teiles der Figur. Prinzipiell sollte man mindestens zwei Schichten auftragen, um eine gute Deckkraft herzustellen. Zwischen den einzelnen Malschritten sollte die Farbe immer einige Stunden antrocknen, da sonst lichte Stellen mit zu wenig Deckung bleiben. Um Licht und Schatten Effekte zu betonen sollte man nach die Grundbemalung mit helleren und dunkleren Farbtönen ergänzen. Stellen, die schattig erscheinen (z.B. Falten, Unterseiten, Nasenlöcher, Ohreneingang, etc.) werden etwas abgedunkelt, helle Stellen - solche auf die direkt Licht kommt - (z.B. Schulterpartie, Hutoberseite, Nasenspitze, etc.) kann man etwas aufhellen. Diese Technik erlaubt es, der Figur ein wesentlich plastischeres Aussehen zu verleihen, als es nur durch die geformte Oberfläche möglich wäre.
 


dunkle und helle Stellen heben den plastischen Eindruck hervor

Die Bemalung von feinen Details erfolgt ebenso nach der Grundbemalung und ist ebenso ein wichtiger Punkt, um der Figur ein realistisches Aussehen zu geben. Ähnlich wie bei den Licht und Schatteneffekten werden Details teilweise nur durch Farbe herausgearbeitet - Knöpfe, Hutbänder, Uniformabzeichen, etc. Vieles kann man mit leicht abweichenden Farbtönen darstellen, beachtet werden muß auch, ob glänzende Farben aufgebracht werden müssen (z.B. Brillengläser, Schuhe, etc.). Hautschattierungen z.B. erreicht man mit Zugabe von etwas braun zur Fleischfarbe (Sonnenanbeter...). Um Gesichter echt darzustellen ist auch das Herausarbeiten der Augenpartie - weißhellblauer Grund mit dunkler Umrandung, Augenbrauen, Lippen und Mund, etc. sehr wichtig. Der Detailtreue ist meist nur durch die eigene Geduld eine Grenze gesetzt - es lohn sich aber immer!

Details wie Knöpfe, Mund, Ohreneingang, etc.
 
 
 
 
 
 
 
 

Literatur

Die Bemalung von Figuren im kleinen Maßstab, Mike Good, Concord CA, USA (Übersetzung: Jens T. Lehmann Scholtka) Modell Fan 8/2000 (Seite 20-23);

 

 

 

Text: ©up,  

Photos: ©up

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