Sommerreise 99

1. Woche - Reise von Kiel nach Sassnitz

Nach vollendetem Studium war es endlich an der Zeit, das Leben wieder mal zu geniessen. Selbiges gedachte ich auf einer Segelreise nach Schweden zu tun. Da dies eine eine längere Fahrt zu werden versprach musste natürlich für den gesamten Zeitraum eine Crew gefunden werden. Für die erste Woche war dies der bereits sehr bewährte Vorschiffsmann Tristan, den ich zum Steuermann beförderte und als Deckshand unser junger Bundesbruder Nordwig (Nope).
Um einen Crewechsel durchführen zu können war als Etappenziel nach der ersten Woche Sassnitz auf der Ostseeinsel Rügen geplant. Die Etappen dieser Woche waren von Kiel über Heiligenhafen - Warnemünde - Darßer Ort - Klintholm (in Dänemark und mir bereits von der Reise nach Norwegen bekannt) nach Sassnitz.

Montag 5.7.99

Nachdem wir das Schiff mit einem Biervorrat für 4 Wochen, sowie den restlichen Stauraum mit Lebensmitteln und sonstigen Bedarfsgütern aller Art vollgepackt hatten beschlossen wir einer Einladung der Alten Königsberger B! Alemannia zu folgen und einen Abschiedstrunk zu nehen. Die Anreise sollte natürlich gleich mit dem Schiff erfolgen. Da im Vorjahr mit meiner damaligen Crew das An- und Ablegen unter Segeln kein Problem war, beschloß ich dies gleich wieder zu versuchen und lernte dabei folgendes: Am Anfang einer Reise ist es mit ungeübten Leuten besser den Hafen unter Motor zu verlassen, wenn der Wind nicht günstigst steht. Wir verloren ein Stück der Scheuerleiste und gewannen den Seeraum der Kieler Förde um nach einer Stunde in Kiel Wik gegenüber dem Liegeplatz der Gorch Fock anzulegen. Am Abend tranken wir dann ca. 1 bis 2 Biere und erhielten noch eine Einladung zum Frühstück.

Dienstag 6.7.99

Tagwache um 06:45 was am Meer viel leichter fällt als zu Hause, wenn man aufstehen muss. Jedenfalls schafften Tristan und ich es aufzustehen, Flaggenparade durchzuführen und uns Richtung Frühstück zu begeben. Nachdem wir den Steg betreten hatten wurden wir dann auch Zeuge einer exerziermässig durchgeführten Flaggenparade auf der Gorch Fock und ich erinnerte mich, daß man sich mit der Flaggenparade ja eigentlich nach den im Hafen liegenden Kriegsschiffen richten sollte. Aber der Hafen war der vom SVK und nicht die Tirpitzmole und die Gorch Fock is ohnehin nicht bewaffnet, also kein richtiges Kriegsschiff.

Nach dem Frühstück legten wir dann ab um als ersten Hafen Heiligenhafen anzulaufen. Während wir im nicht vorhandenen Wind dahindümpelten betrachtete Tristan die Gorch Fock und kam auf die originelle Idee ein Terrorkommando "Rache für Königgraetz" zu gründen und dieses schöne Schiff zu versenken. Da ich jedoch nach Stockholm segeln wollte und an diesem Tage ohnehin bereits gegen maritime Etikette verstosssen hatte, versuchte ich ihm diese Idee wieder auszureden. Hilfreich dabei war, daß endlich ein wenig Wind aufkam und wir endlich mit einer ordentlichen Reisegeschwindigkeit von ca. 4,5 Knoten in Richtung Leuchtfeuer Friedrichsort lossegeln konnten.

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Auf Grund der perfekten Windrichtung konnten wir nach dem Verlassen der Kieler Förde den Spinnaker setzen. Dieser trieb uns solange voran bis der Wind dann am Nachmittag einschlief. Nach einer Phase des Dümpelns und vergeblichen Wartens auf neuen Wind beschloss ich die Maschine (= ein 5 PS Außenborderquirl) zu starten. Während ich die Vorbereitungen zur Motorfahrt traf schaffte Tristan, der sich die Zeit einstweilen mit Angeln vertrieben hatte, es tatsächlich einen Dorsch zu fangen, der als Abendessen für uns drei dienen sollte. Tristans Dorsch wurde dann, nachdem wir unter Maschine eingelaufen waren, in Heiligenhafen gegrillt und schliesslich seiner Zweckbestimmung zugeführt.

Mittwoch 7.7.99

Nach dem Aufstehen und der Flaggenparade besuchten wir den Hafenkapitän, um das Liegegeld zu bezahlen. Außerdem erkundigten wir uns nach einem Yachtzubehör Geschäft, da wir einige Ersatzteile für unseren Petroleumkocher benötigten. Dieser war nämlich undicht. Beim Versuch ihn zu reparieren gelang es mir einen wichtigen Teil über Bord zu werfen, und da Metall im Wasser nicht sehr lange schwimmt war es leider erforderlich diesen Teil neu zu beschaffen. Der Einkaufsversuch scheiterte allerdings. Das Geschäft hatte leider nichts passsendes anzubieten.

Um 11:55 legten wir ab und konnten nach dem Passieren der Brücke, die die Insel Fehmarn mit dem Festland verbindet auch den Spi setzen und bis zur Abendflaute gemütlich nach Warnemünde segeln. Um 19:00 war jedoch kein Wind mehr, sodaß wir den Rest des Weges wieder unter Motor zurücklegen mussten. In Warnemünde war gerade die Warnemünder - Woche und es war sehr schwierig einen Liegeplatz zu bekommen. Schliesslich gingen wir als 4. Boot in einem Päckchen längsseits, nachdem uns die Nachbarn zugesichert hatten, daß sie auch gerne lange schlafen würden. Beim Liegen in Päckchen ist dies nämlich ein sehr wesentlicher Punkt. Falls man nämlich an einen Frühaufsteher gerät, muß man ja sonst seine Nachtruhe unterbrechen, um das Boot zu verholen.

Unsere Planung den Abend mit Fortgehen zu gestalten, viel allerdings ins Wasser, da der ganze Jahrmarktbetrieb, der rund um den Hafen aufgebaut war um 21:00 den Betrieb einstellte. In Ermangelung eines funktionierenden Kochers oder eines selbstgefangenen Fisches mussten wir uns eine Lokalität suchen, wo wir etwas zum Essen bekamen. Das einzige was wir fanden, war eine Dönerbude. Das Essen war wenigstens warm. Die Kojen warteten schon auf uns.

Donnerstag 8.7.99

Um das Problem mit dem Kocher zu loesen schickte ich Nordwig mit der Schnellbahn nach Rostock. Meine Vermutung, daß in dieser Metropole Ersatzteile für den Kocher aufzutreiben wären erwies sich allerdings wieder als unbegründet. Nope erwies allerdings eine unerwartete Schlauheit und kam mit einem kleinen Gaskocher als einstweiligen Ersatz wieder. Somit waren in Zukunft zumindest warme Mahlzeiten gesichert.

Tristan und ich verbrachten die Wartezeit mit einem angenehmen Frühstück in einem Cafe' in der Nähe des Bootes. Damit uns nicht langweilig wurde schrieben wir auch die ersten Kartengrüsse in die Heimat.

Nach Nopes Rückkehr legten wir um kurz vor 1400 ab und segelten die Küste entlang nach Norden. Nope verbachte die Zeit, so wie meistens schlafenderweise in seiner Koje. Da wir an einigen schönen Stränden vorbeisegelten kam Tristan wieder einmal auf eine gute Idee. Er schlug vor, wir sollten mit unserem Beiboot an den Strand fahren, um einige Jungfrauen zu entführen, die uns den Rest der Segelreise angenehmer gestalten sollten. Ich verwies ihn allerdings an die Erfahrungen, die viele Segler bereits mit Frauen an Bord gemacht hatten (siehe z.B. Karl Vettermann, Barawitzka segelt nach Malta) und weigerte mich entschieden seinem Vorschlag nachzukommen. Da unser drittes Crewmitglied ja schlief, sich also seiner Stimme enthielt, war natürlich meine Stimme die ausschlaggebende.

Biertrinkenderweise und den NW-Wind der das Boot vorantrieb geniessend erreichten wir das Leuchtfeuer Darsser Ort, wo wir den Kurs ändern mussten um nach Osten zur Einfahrt in den Hafen zu kommen. Der Hafen ist als Nothafen, des Landes Mecklenburg Vorpommern ausgewiesen und liegt mitten in einem Vogelschutzgebiet. Aufgrund der Strömungsverhältnisse kommt es laufend zu Veränderungen der Tiefenverhältnisse, und man braucht sehr aktuelle Detailkarten um so knapp wie möglich an der Tiefenlinie zu segeln, ohne viel Weg zu verschenken. Da ich eine Detailkarte hatte, diese jedoch 2 Jahre alt war habe ich es natürlich nicht geschafft, den kürzesten Weg ohne Grundberührung zu finden. Hier erwies sich als günstig, dass der Wind auf NO gedreht hatte und wir daher am Wind segelten und dass Nope noch immer in seiner Koje schlummerte. Ein kurzer Alarmruf: "Nope auffa mit Dir!!!" genügte, um den durch das ungewöhnliche Geräusch des Aufsitzens bereits geweckten Leichtmatrosen an Bord erscheinen zu lassen. Durch geschicktes Einsetzen des an Bord beweglichen Gewichtsballasts (3 Mann mit ca. 250 kg) war es dann leicht ohne Probleme wieder von der Untiefe freizukommen. Zum Schluss lieferten wir uns noch eine kleine Wettfahrt mit einer schwedischen Yacht. Obwohl unser Gegner einen kürzeren Weg wählte - vermutlich war er mit aktuellem Kartenmatrial ausgerüstet -, waren wir schneller im Hafen und konnten noch einen bequemen Platz in der Nähe der Hafen Infrastruktur bekommen. Erstmals bereiteten wir uns eine selbstgekochte Mahlzeit um uns dann, bis auf Tristan in die Kojen zu werfen.

Freitag 9.7.99

Wach wurde ich dadurch, daß Tristan nach Hause kam. Er hatte die Nacht damit verbracht auf einer Sanddüne zu sitzen, Bier zu trinken, klassische Musik zu hören und auf den Sonnenaufgang zu warten. Außerdem erschreckte er einen friedlichen Bernsteinsucher, der den angeschwemmten Seetang nach dem Gold der Ostsee durchwühlte. Nachdem er mir dies alles erzählte und er sich zur Ruhe begab, beschloss ich aufzustehen und mir selbst ein Bild von der Gegend in der wir waren zu machen. Eine große Informationstafel berichtete über die Geschichte und Geographie dieses Ortes. Ich konnte lesen, daß der Sand für wechselnde Tiefen sorgte, allerdings wusste ich das ja bereits. Außerdem war der Hafen ursprünglich als Schnellboothafen für die Nationale Volksmarine geplant gewesen, der Zusammenbruch des kommunistischen Systems ließ aber die Verwirklichung dieser Pläne scheitern. Ich führte ein Gespräch mit dem Bernsteinsucher, der ja einen Teil meiner Crew schon kennengelernt hatte. Tristan hatte sich kurz nach Sonnenaufgang von hinten an den konzentriert nach Bernstein suchenden Mann angeschlichen und mit der an sich harmlosen Frage: "Morgen, was machen Sie da?" an den Rand eines Herzinfarktes gebracht. Er erzählte mir auch, daß dies einer der ergiebigsten Orte für Bernstein auf deutschem Gebiet sei. Danach nahm ich noch ein kurzes Bad in der Ostsee, allerdings war es sehr kühl.

Zum Schiff zurückgekehrt bereitete ich mit Nope, der ebenfalls erwacht war alles zum Ablegen vor. Etwas irritiert war ich dann, als Nope plötzlich begann zu kochen, weil derartiges beim Ablegen eher hinderlich ist. Ich überlegte einstweilen wohin wir an diesem Tag segeln sollten, weil es war bereits Zeit daran zu denken, daß 2 Tage später ein Crew-Wechsel stattfinden sollte und die Wechselcrew ja öffentliche Massenverkehrsmittel benötigt um zum Boot bzw. vom Boot weg zu kommen. Als derartige Häfen kamen Sassnitz auf Rügen, oder Trelleborg in Südschweden in Frage. Ein direkter Kurs nach Sassnitz war an diesem Tag aufgrund des Nordostwindes sowieso nicht möglich. Trelleborg war kein schöner Hafen und so entschloß ich mich nach Klintholm auf der dänischen Insel Møn zu segeln. Von dort aus - so dachte ich mir - sollte es möglich sein nach Sassnitz oder Trelleborg, falls der Wind für beide sehr ungünstig ist als Alternative eventuell nach Kopenhagen zu segeln.

Der Schlag war kurz und schnell, die bumble bee flog wie ein Pfeil über das Wasser und Nope genoss den ersten Segeltag, den er nicht hauptsächlich auf Koje verbrachte. In Klintholm angekommen genossen wir den schönen Strand, das kalte Wasser und die Sauna, die dort für Hafenbenützer frei zugänglich ist.

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Samstag 10.7.99

Aus dem Logbuch:

Reise von Klintholm nach Saßnitz
Zeit
Wind
See
Kurs
Segelführung, Notitzen
09:30
O-NO 3 Bft
-
n.S.
Motor, Leinen los
09:45
O-NO 6 Bft
2 - 3
115
Groß, Genua, 1. Reff
11:15
N-NO 6-7 Bft
4
110
Wacheinteilung getroffen.
15:00
NO 6-7 Bft
4
110
Vorsegel gewechselt - Fock
16:45
NO 6 - 7 Bft
4
100
Kap Arcona (Rügen) recht voraus
19:30
NO 7 - 8 Bft
4
n.S.
Aufkreuzen vor Kap Arcona - Fockfall gerissen, mit 2. Fall Sturmfock gesetzt. Gross 2. Reff. 
21:30
NO 7 - 8 Bft
4 - 5
n.S.
querab Kap Arcona (endlich)
24:00
NO 7 - 8 Bft
4 - 5
n.S.
querab LF Ranzow
03:30
NO 8 Bft
0
n.S.
nach Ansteuerung im Fahrwasser längsseits in Sassnitz

Resümee: Die Fahrt hat ein wenig länger gedauert, als ich gedacht hatte und Tristan hat sich als Crewmitglied hervorragend bewährt. Der Spaß beim Segeln im Sturm hat seine Grenzen und die Zunahme des Windes in der Nähe eines Kaps ist nicht zu verachten. Nachdem wir Kap Arcona umrundet hatten wurde es aber deutlich angenehmer. Die Wacheinteilung hätte ich mir sparen können, weil bei diesen Bedingungen kann man das Boot keiner unerfahrenen Crew anvertrauen. Tee mit Rum schmeckt nach einer solchen Fahrt hervorragend.

Etmal nach der ersten Woche: 206,26 sm

Sonntag 11.7.99

Wir verlegten das Boot im Hafen von Sassnitz von der Aussenmole in die Nähe des Zentrums. Dann verbrachten Tristan und ich die Zeit damit, klar Schiff zu machen und auf einen neuen Crewmann - Wolle, ein Urgestein aus den Kärntner Bergen - zu warten. Nope war bereits in der Früh mit dem Zug in Richtung Hamburg abgereist. Klar Schiff war notwendig, da bei das Schiff bei der Sturmfahrt einiges an Wasser genommen hatte und jetzt einiges getrocknet werden musste. Auf Grund der Erfahrungen in der Vergangenheit war allerdings das meiste ohnehin so verstaut, daß es nicht naß geworden ist. Ein Yachtzubehörgeschäft in der Nähe des Hafens wurde mit der Neuanfertigung eines Fockfalls beauftragt.

Den Abend verbrachten wir auf den Sassnitzer Hafentagen und testeten das einheimische Bier und einheimische Grillspezialitäten, weiters versuchten Teile der Crew mit dem weiblichen Teil der eingeborenen Bevökerung in Kontakt zu treten.

2. Woche - Reise von Sassnitz nach Karlskrona

Montag 12.7.99

Da wir nach Bornholm wollten und der Wind immer noch sehr stark genau aus dieser Richtung kam verbrachten wir den Tag damit Einkäufe zu machen, das Fischereimuseum zu besuchen und den Strand der Insel ein wenig zu erkunden. Ausserdem gingen wir früh schlafen, damit wir am nächsten Tag früh nach Bornholm lossegeln konnten.

Dienstag 13.7.99

Auch unsere Nachbarn segelten sehr früh los. Sie waren allerdings zu früh, da ein von Nordosten aufziehendes Gewitter sie wieder zurück in den Hafen trieb. Nachdem dieses und ein nachfolgendes Gewitter abgewartet war konnten entschlossen auch wir uns, die Leinen loszuwerfen.

Wolle, der ja immerhin der Inhaber eines kroatischen Küstenpatents war, war leider nur sehr bedingt einsetzbar, da er seekrank wurde. Da er sich auch sonst nicht sehr geschickt anstellte, fragte ich ihn etwas genauer und kam drauf, daß der Mann noch nie in seinem Leben auf einem Segel- geschweige denn einem Motorboot gewesen war, und daß das kroatische Küstenpatent  ein reiner Theorieschein ist.

Meine Versuche ihn von der Seekrankheit zu kurieren, indem ich ihn beschäftigte funktionierten leider auch nicht. Entgegen dem Rat von uns beiden beschloss er, daß es am Besten ist sich auf die Koje zu legen und zu leiden. Scheinbar fühlte er sich an Bord nicht wirklich sehr wohl, was mir sehr leid tat. Vor allem deswegen, weil er ja für drei Wochen zugesagt hatte und ich befürchtete, daß er den Urlaub vorzeitig abbrechen würde.

Ansonsten verlief der Schlag nach Rønne auf Bornholm ereignislos, unsere Nachbarn von Sassnitz waren schon dort und hatten uns freundlicherweise einen Platz freigehalten.

Mittwoch 14.7.99

Den Vormittag verbrachten wir mit einer Erkundung des Hafens und der Beschaffung von Benzin und dänischem Gebäck für das Frühstück. Am Nachmittag wollte ich die Küste entlang nach Hammerhavn segeln. Das ist ein kleiner Hafen, der an der Nordspitze von Bornholm liegt. Sehenswert ist dort die Landschaft und die Ruine eines mittelalterlichen Schlosses. Der Wind blies aus West und in der Brandungszone baute sich eine schöne Welle auf, sodaß wir eine kurze aber ein wenig heftige Halbwind - Fahrt innerhalb von 2 Stunden hinter uns brachten. Für Wolles ungeübten Magen und auch für seine Nerven, war das allerdings nicht das Beste. Vermutlich hätte er bei einer anderen Wettersituation und kürzeren Schlägen eher einen Zugang gefunden. Dies war dann aber erst in Schweden der Fall, wo er schon wieder ausgestiegen war.

Donnerstag 15.7.99

Wir besichtigten Hammerhaus. Das ist ein sehr eindrucksvoller Bau - allerdings etwas verfallen. Am Abend spazierten Wolle und ich entlang der Küste auf die andere Seite der Insel. Nach einem Fußmarsch durch eine wunderschöne Landschaft erreichten wir den kleinen Ort Sandvig auf der Ostseite der Insel. In einem Geschäft kauften wir einen Wegwerfgriller und Steaks als Abendessen. Die Grillerei funktionierte hervorragend, sobald der Grill endlich brannte. Bis dahin war es allerdings ein sehr schwerer Weg, weil der starke Wind es immer wieder verhinderte, daß wir die Kohle zum Brennen brachten. Als es dann aber endlich so weit war, genossen wir die hervorragenden Steaks und Folienkartoffel.

Freitag 16.7.99

Um 09:00 Uhr warfen wir die Leinen los um einen langen Schlag zu machen. Ziel der heutigen Fahrt war endlich Schweden. Die kleine Insel Utklippan, der südöstlichste Punkt Schwedens sollte der Ort sein, wo wir als erstes schwedischen Boden betraten. Der Wind kam aus Westen, wir wollten nach Osten - perfektes Wetter für den Spinaker. Der Wind wurde aber immer stärker und durch eine Kombination von Fehlern gelang es uns den Spinaker zu zerstören. Da der Wind bereits sehr stark war setzten wir die Fock und erreichten im Surfen auf der Welle teilweise eine Geschwindigkeit von fast 10 Knoten. In Utklippan angekommen erregten wir einiges Aufsehen. Angeblich war noch nie ein Boot mit österreichischer Flagge in diesem Hafen festgemacht.

In vielen schwedischen Häfen besteht die Sitte, dass am Flaggenmast neben der schwedischen, die Flaggen der Länder aller im Hafen vertretenen Boote gehisst werden. Der arme Hafenkapitän war jetzt einigermaßen verlegen. Allerdings konnten wir ihm helfen, wir hatten an Bord eine kleine österreichische Flagge als Reserve und diese übereignete ich ihm. So war der Sitte und Tradition genüge getan, und der nächste österreicheische Segler, der nach Utklippan kommt, möge eine größerre Nationale mitnehmen, da die derzeit dort befindliche doch ein weing klein und unscheinbar ist, wie das Foto zeigt.

Wir verbrachten einen Teil des Abends an Bord unserer Nachbarn. Ein schwedisches Paar, das sehr erfreut war einmal im Sommer beim segeln auf Österreicher zu treffen und nicht nur beim Schifahren im Winter. Große Freude hatten sie mit unserem Gastgeschenk, einer Flasche Inländerrum. Derartig feine Dinge sind in Schweden ja nicht zubekommen, man muss eigene Geschäfte aufsuchen um normales Bier zu bekommen. Das im Supermarkt frei erhältliche Bier hat den bezeichnenden Namen Fadøl. Außerdem wurden wir mit Gemüse aller Art vollgestopft, weil die gute Dame, selbst Mutter von zwei Söhnen, wußte, daß junge Männer dazu neigen, viel zu wenig Vitamine zu sich zu nehmen.

Samstag 17.7.99

Endlich ein Segeltag nach Wolles Geschmack! Von Utklippan segelten wir in 3 Stunden zwischen einer Vielzahl an Felseninseln in die Stadt Karlskrona - eine schwedische Stadt mit langer Marinetradition. Wir liefen unter Segel fast bis vor den Gästehafen, eine riesige Anlage, die nur Gastbooten vorbehalten ist. Vorteilhaft für Tristan war die Nähe zum Bahnhof, erbesorgte sich Fahrkarten und brach gleich am Sonntag morgen auf. Er wurde ja am Montag in Hamburg erwartet um sein Budet durch Ferialarbeit aufzubessern. Wolle entschied sich leider auch dazu auszusteigen, allerdings hatte er mehr Zeit und beschloss erst am Montag abzureisen. Tristans Ersatzmann hatte sein Kommen für Montag in der Früh angesagt.

Den Abend verbrachten wir im Zentrum Karlskronas. Es gibt in Schweden viele irische Pubs - das Bier ist allerdings sehr teuer. Außerdem ist es nur geeignet um die Nieren durchzuspülen. Auf die Schweden allerdings hatte es eine ganz andere Wirkung als auf uns. Das Phänomen, das ich schon von Kopenhagen kannte trat auch hier wieder auf. Betrunkene Schweden bewegten sich schwankend hordenweise durch die Straßen und Plätze.

Sonntag 18.7.99

Ein Hafentag. Nachdem Tristan in Richtung Hamburg aufgebochen war besichtigten Wolle und ich das Marinemuseum. Unter dem Museum gibt es einen Tunnel, wo man im Meer spazieren gehen kann und ein Wrack besichtigen kann. Sonst gibt es eine Menge maritime Exponate, wie es in einem Marinemuseum zu erwarten ist. Danach schlenderten wir noch durch die Stadt, besichtigten sogar eine Kirche, wurden aber am Betreten einer weiteren Kirche durch das versperrte Tor gehindert.

©gp