Der (bis auf weiteres) letzte Törn

Trotz einer sehr langen Sommerreise nach Schweden, der 2 Wochen in der d"nischen Südsee und eine Woche segeln in der Adria folgten, sah ich mich unbedingt gezwungen im September noch ein mal segeln zu gehen. War ich mir doch bewußt, daß ich waehrend meines Japanaufenthaltes zum Segeln fast keine Zeit haben werde. Auszerdem mußte die bumble bee sowieso vom Sommerliegeplatz in Kiel ins Winterlager nach Hamburg verholt werden.

Eine Crew war schnell gefunden, Andre' Potapow aus Erlangen wollte seine ersten Erfahrungen beim Segeln sammeln, Stefan Haaszio, sagte für das Wochenende zu, also muszten wir den Törn so planen, dass wir am Freitag in einem Ort mit Bahnanschluss anlegen konnten.

Am Mittwoch dem 22. September ging es um die Mittagszeit los, Ziel des ersten Schlages war die dänische Stadt Marstal auf der Insel Aerö. Eine zarte Brise aus Südwest bis West ließ uns auf Halbwindkurs gemütlich unser Ziel ansteuern. Das Wetter war sonnig, entgegen der weitverbreiteten Meinung der meisten Gebirgsmarinisten kann man auch noch in dieser Jahreszeit mit kurzer Hose und T-Shirt dem segeln in der Ostsee frönen. Dies allerdings nur manchmal, wenn man sehr großes Glück mit dem Wetter hat. Das ölzeug, sollte trotzdem auf alle Fälle bereit liegen. An diesem Tag jedoch, war es bis zum Sonnenuntergang nicht notwendig selbiges anzuziehen. Da jedoch kurz vor dem Sonnenuntergang auch der Wind einschlief, war es erforderlich unsere 5 PS Außenbordmaschine anzuwerfen um das Ziel noch zu einer halbwegs normalen Zeit zu erreichen. Liegeplatzprobleme gibt es in dieser Jahreszeit ja nicht mehr und so konnten wir um ca 22:00 Uhr festmachen, aufklaren und Abendessen bereiten.

Am nächsten Morgen wurden wir auf die übliche Weise geweckt. Hafenkapitän klopft auf das Vorschiff um die obligate Liegegebühr einzuheben. Der hiesige Hafenkapitän war eine hübsche junge Frau, aber dieses Prädikat kann man sowieso den meisten jungen Däninnen verleihen. Nach der Erledigung des Finanziellen begaben wir uns in den Ort, um Gebäck und Leberpastete zu kaufen. Als dies erledigt war früstueckten wir und liefen danach aus. Da der Wind günstig stand konnten wir bereits unter Segel aus dem Hafen auslaufen. Nach dem wir die Ansteuerungsrinne und damit auch das Lee der Insel verlassen hatten stellten wir fest, daß der Wind ein ganz ordentlicher Südwest mit 5 Windstärken war. Um die Insel zu umrunden und direkten Kurs nach Sonderburg stezen zu können mußten wir also erst einmal 2 Stunden hart am Wind segeln und auch einige Kreuzschläge machen. Nach umrunden von Aerös Südspitze konnten wir aber wieder auf einen schönen Halbwindkurs Richtung Flensburger Förde gehen. Die überfahrt verlief in den ersten 2 Stunden ereignislos, es war einfach nur ein wunderschönes Gefühl den wind und die Wellen zu spüren - zu fühlen, wie das Boot und dadurch man selbst durch die Elemente vorwärts getrieben wurde.

Nach 2 Stunden cirka bekamen wir Besuch von einer Drossel, die offensichtlich von Aerö nach Deutschland fliegen wollte, jedoch durch den starken Wind wohl etwas entkr"ftet war. Jedenfalls plumpste das Tier von achtern aufkommend auf ein mal in unser Großsegel und von dort auf das Vordeck, wo es trotz immer wieder überkommender Wasserspritzer liegen blieb. Bald jedoch hatte sie sich so weit erholt, daß sie sich wieder auf ihre Füsse stellen und im Lee des Deckshauses etwas Schutz suchen konnte. Während dieser Aktion diskutierten Andre' und ich biertrinkenderweise, ob und wie man dem Tier am Besten helfen könnte, wir wollten den Vogel aber nicht durch starke Bewegungen erschrecken, sodaß wir nachdem wir unsere Dosen geleert hatten, nicht einmal sunter Deck gingen um neues Bier zu holen. Einige Zeit darauf erhob sie sich wieder um dann vernünftiger Weise auf Vorwindkurs nach Aerö zurück zu fliegen, Andre' erhob sich um neues Bier zu holen.

Wir segelten jedoch auf altem Kurs weiter nach Westen, erreichten die Flensburger Förde wo der Wind auf Höhe des Leuchtfeuers Kalkgrund etwas unerwartet zunahm, sodaß ein Reffen des Groß unvermeidlich wurde. Leider riß das Segel bei diesem Manöver ein, das Material ist vermutlich schon ein wenig morsch. Eine halbe Stunde später Hätten wir wieder ausreffen können, wenn das Segel noch ganz gewesen wäre, so dauerte es halt ein wenig länger, bis wir Sonderburg erreichten. Dort trafen wir Klaus Samtleben mit der Hanni Tucka, er war 2 Wochen unterwegs um mit seiner Crew die dänische Südsee unsicher zu machen. Da wir alle genug Bier an Bord hatten und es ein kalter stürmischer Abend zu werden versprach blieben wir an Bord und machten nicht einmal Sonderburg unsicher.

Am nächsten Tag gingen wir wieder einkaufen, nachdem wir das Boot in den alten Hafen verholt hatten, weil der näher zum Bahnhof liegt. Nach dem Einkauf, begaben wir uns zum Frühstück an Bord, danach holten wir Hase vom Zug ab, um nach dieser Aktion sofort in Richtung Schlei abzulegen. Der Wind blies von Südwest, leider so stark daß die Hanni Tukka, die ja viel schwerer, aber auch um einiges länger ist, uns versegelte. In Grauhöft in der Schlei trafen wir sie jedoch wieder und gingen am Abend nett nach Kappeln um etwas zu Essen und zu Trinken. Dieses Spiel wiederholten wir am nächsten Tag in Kiel, von dort brach Hase mit dem Auto wieder nach Hamburg auf, während Andre' und ich den etwas längeren Weg durch den Nord-Ostsee Kanal in Angriff nahmen. Die erste Hälfte bis Rendsburg wurden wir von einer Ketsch aus Wedel in Schlepp genommen. Deren Eigner hat mir auch einige der Fotos zugesandt, die man in der Galerie bewundern kann. Ich bedanke mich an dieser Stelle sowohl für die Bilder, als auch für das Abschleppen.

Am Montag mußten wir die Fahrt unter eigener Kraft antreten, da die Crew unseres Schleppschiffes zur arbeitenden Bevölkerung zählt, und die Reise erst am kommenden Wochenende fortsetzen konnte. Wir schafften es jedoch aus eigener Kraft nach Brunsbüttel um nach der Schleusung das Gezeitenrevier Elbe in Angriff zu nehmen. Trotz Sauwetters und widriger technischer und sonstiger Umstände (Motorausfall, am Wind - Kurs, am Ende Gegenstrom) schafften wir es um Mitternacht den Hamburger Yachthafen in Wedel zu erreichen.

Am Dienstag verholten wir das Schif nach Finkenwerder in eine Halle, wo es nun der Winterarbeit durch meinen Miteigner harrt. Dieser letzte Segeltag war wieder wunderschön, es ist ein großartiges Gefühl, wenn man als kleines Segelboot mit exotischer österreichischer Flagge in einen derartig großen Hafen, wo sehr viel Betrieb herrscht, einfährt.

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