Der 15. Japanbrief

Juni 2001

Konnichiwa!

Wieder einmal will ich Euch berichten, was hier so passiert ist in der letzten Zeit.

Zum Thema des letzten Briefes gehört noch die Beschreibung eines Tankvorganges im Kaiserreich: Im Gegensatz zu Europa gibt es an fast allen Tankstellen in Japan noch unzählige Tankwarte, die mit Uniform und Mütze ausgestattet auf die Kundenscharen warten, um Benzin und sonstige Mineralölprodukte zu verkaufen. Fährt man nun eine Tankstelle an stellt sich sofort einer der Tankwarte hin, um einen perfekt in die erforderliche Tank - Parkposition einzuweisen. Dies geschieht unter lautem hai hai (ja auf japanisch) Rufen, das durch die Kollegen unterstützt wird sowie durch Handzeichen. Wenn man richtig steht folgt ein abnehmen der Mütze mit einer perfekten 90 Grad Verbeugung. Danach gibt man bekannt, daß man voll tanken möchte (mantan kudasai). Nun gibt es 2 Möglichkeiten:
- Auf der Tankstelle herrscht wenig Betrieb: In diesem Fall schnappt sich der Tankwart feuchte Handtücher, reicht eines davon in den Wagen um den Innenraum zu reinigen und beginnt damit die Scheiben perfekt sauber zu putzen. Außerdem fragt er noch höflich um den Aschenbecher, um dann nach Beendigung aller Vorgänge die Rechnung zu kassieren. Hiebei ist festzustellen, daß der Benzinpreis seit ich in Japan Auto fahre sich generell immer um ca. 100 Yen (1 euro) bewegt. Und dies trotz japanischer Wirtschaftskrise und ständig wechselnden Rohölpreisen. Da ich bei 2 Tankstellen Stammkunde bin erhalte ich dort sogar 5 Yen Rabatt pro Liter.
- Auf der Tankstelle ist viel los: Nach der Einweisung läuft der Tankwart schnell zu einem anderen Auto, um dort die bereits begonnenen Vorgänge weiter fort zu führen. Eventuell beginnt dann in der Zwischenzeit ein anderer damit, das Auto zu betanken, die Scheiben zu reinigen, was aber durch die Ankunft neuer Kunden, die ja eingewiesen werden müssen, immer wieder unterbrochen wird. Aber auch in diesem Fall ist man irgendwann abgefertigt und kann wieder losfahren. Bei der Abfahrt wird man noch sehr oft gefragt, welche Richtung man nehmen will, worauf hin der Tankwart sich an die Straße stellt um einen in den fließenden Verkehr einzuweisen und natürlich unterstützt von allen Kollegen arigatou goz ai mashita (danke schön) zu brüllen.

Eine wirklich tolle Sache ist die Gansu Wandergruppe, mit der ich seit September regelmäßig diverse Ausflüge mache. Im November erklommen wir den Gipfel des Mt. Inubushi (Berg schlafender Hund). Der Berg ist im Nordwesten der Präfektur gelegen, und 791 m hoch. Leider ist er bis zum Gipfel mit Wald bedeckt, sodaß eine Aussicht über das herbstliche Japan nicht gegeben war. Im Anschluß an die Wanderung besichtigten wir noch die Wohntümpel eines Monsteraals und einer Monsterschlange, die in frühren Zeiten dort gewohnt hatten, und friedliche Dorfbewohner zu verspeisen pflegten. In das Dorf zurückgekehrt, sahen wir eine Kagura Vorführung. Kagura ist ein japanisches Theater, wo eine Geschichte gesungen wird. Die Musik ist für europäische Ohren ein wenig ungewohnt, die Handlung wurde mir von einem Mitglied der Wandergruppe erklärt. Es ging darum, daß eine Frau Leute verführt, sich in einen bösen Fuchs verwandelt, dieser Fuchs wird von einem Priester bekämpft. Da der Priester vom Fuchs getötet wird, kommen 2 Helden, um den Fuchs zu töten, dieser jedoch verwandelt sich wieder in die Frau und betört die Helden. Letztendlich siegt aber doch das Gute, allerdings nicht lange, weil der Fuchs - also das Böse - wieder erscheint.

Im Anschluß ans Theater besuchten wir ein Onsen - eine japanische heiße Quelle. Das Wasser ist sehr heiß, leider gibt es keine Möglichkeit sich nachher gescheit abzukühlen. Entspannend ist das Bad im Onsen aber auf jeden Fall. Alles in allem war es ein hervorragender Tag.

Demnächst werde ich über die Ausflüge, die ich dieses Jahr bereits gemacht habe berichten!

liebe Grüße
:-) Gernot

©gp