Der 13. Japanbrief

Januar 2001

Konichiwa!

Liebe Freunde!

So weit ich mich erinnere, habe ich Euch als letztes vom Pinsel Festival in Kumano erzählt. Zwei Wochen später bin ich mit der gleichen Vereinigung auf die Insel Toyoshima gefahren, um den dortigen Mount Jumonji zu erklimmen. Der kulturelle Aspekt des Ausflugs war ein auf der Insel stattfindendes Mandarinen Erntefest. Mandarinen bzw. Zitrusfrüchte sind einer der Exportschlager der Insel. Wir erreichten die Insel jedenfalls mittels gechartertem Wassertaxi und begannen, uns auf den Weg zu machen. Auf dem Weg zum Gipfel des Berges beobachteten wir unter anderem 2 Ruderboote die im Hafenbecken des Ortes eine rituelle Seeschlacht vollführten.

 Ungefähr eine Stunde spärter erreichten wir den Gipfel des höchsten Bergs der Insel, wo wir die nicht vorhandene Aussicht genossen. Normalerweise, das heißt wenn das Wetter mitspielt, kann man von dort, sehr weit über die Seto Inland Sea blicken. Das Wetter war aber an diesem Tag nicht touristenfreundlich und deswegen war auch die Aussicht nicht so großartig. Nach dem obligaten Gipfelfoto und dem Absingen eines Liedes, das von einem 72 jährigen Teilnehmer der Wandergruppe gedichtet wurde, wäre es geplant gewesen zu essen. Allerdings wurde aus mir nicht ganz verständlichen Gründen eine kleine Programmänderung durchgeführt.

 Das Essen sollte im Gemeindehaus eingenommen werden. Da ausserdem 4 Ausländer die Ehre hatten beim Rudern der vorher erwähnten Boote teilzunehmen und dies zu einer bestimmten Zeit vorgesehen war, mußte der Abstieg in einer gewissen Eile erfolgen. Nichtsdestotrotz bewunderte ich die Mandarinenplantagen und folgte gemeinsam mit einer Engländerin und 2 Japanern der Einladung eines Bauern in seinen Garten, der uns eine Vielzahl an Mandarinen übereignete. Richtig am Strauch gereifte Mandarinen schmecken übrigens um einiges besser als die Produkte, die üblicherweise bei uns zum Kauf angeboten werden.

Sodann kamen wir zurück in den Ort, wo einer der japanischen Organisatoren schon ein wenig aufgeregt nach uns Ausschau hielt. Wir sollten ja eigentlich schon im Gemeindehaus sein und speisen. Im selbigen nahm ich Platz und verzehrte genüsslich mein mitgebrachtes Lunchpaket sowie ein Bier, das zur Verfügung gestellt wurde. Eine große Schachtel mit Mandarinen war ebenfalls dort und jeder bediente sich reichlich.

Aber zum Ausruhen kam ich trotzdem nicht. Ich war nämlich einer der 4 freiwilligen Ruderknechte. Ich musste mir einen blaunen Kimono anziehen, ein Stirnband umbinden und gemeinsam mit 3 anderen Ausländern das blaue Boot rudern. Dies war eine sehr lustige Sache. Zuerst war das Rudern ein wenig ungewohnt, aber nach einigen Versuchen schafften wir es uns zu koordinieren. Ausserdem gab ein Trommler den Rhytmus vor. So stellten wir also ungefähr eine Stunde lang die Seefahrertradition der Insel Toyoshima dar. Bei diesem Ereignis wurden Seeschlachten, Kämpfe gegen Piraten aber auch Dinge wie das Holen der Nahrung aus dem Meer dargestellt. Im Prinzip allerdings sind wir immer nur im Kreis gerudert. Vom Anleger weg langsam zur Ausfahrt des Hafens und von dort dann mit einer schnelleren Geschwindigkeit wieder zurück. Einige wackere Japaner führten einen Crewwechsel durch, indem sie ins Wasser sprangen und an Land schwammen, beziehungsweise vom Land kommend zum Boot schwammen. Wir wurden nach ca. einer Stunde abgelöst und durften trockenen Fußes wieder an Land zurück.

Kurz danach mußten wir wieder, dem genauen Zeitplan folgend, zum Wassertaxi zurück. Vorher allerdings fand noch eine Art Verlosung statt. Aus den Booten wurden Güter des täglichen Bedarfs, Nahrungsmittel und alles mögliche sonstige an Land in die Menge geworfen. Ich ergatterte eine Klobürste und zwei Trockensuppen. Die Klobürste schenkte ich allerdings einer Japanerin, die sie gerne gehabt hätte.

Als nächstes besuchte ich mit einem Studenten, der mich eingeladen hatte, ein sweet potatoe festival. Süsse Kartoffel sind in Japan sehr verbreitet. Sie schmecken gebraten auch hervorragend. Wenn man allerdings Mehlspeisen kauft, und Apfelgeschmack erwartet, statt dessen aber dann süsse Kartoffeln schmeckt, ist es ein wenig gewöhnungsbedürftig. Das Festival fand im Norden von Higashi Hiroshima, mitten in den Bergen statt. Mein Student, sein Name ist Norinobi, war mit seinem Motorradclub dort. Das waren lauter Rockertypen, aber irrsinnig gemütliche Leute, die eine Grillerei veranstalteten und mich zu allem einluden. Bier gab es übrigens auch wieder zu trinken.Ausserdem begann ich an einer Sprachschule, Deutsch zu unterrichten. Meine Schülerin ist eine Hausfrau, deren Mann nach Frankfurt versetzt wird. Sie ist sehr bemüht und motiviert. So macht mir das Unterrichten auch großen Spaß. Allerdings muß ich natürlich darauf achten, daß sie eine schöne Aussprache lernt, und diese nicht allzu kärntnerisch klingt. Obwohl selbiges ja ohnehin die schönste Form der Deutschen Sprache darstellt. Finanziell ist die Sache auch einigermassen interessant. Inzwischen unterrichte ich auch noch bei zwei weiteren Sprachschulen, eine davon ist in Hiroshima City. Neben meiner Forschungsarbeit bleibt mir da nicht mehr allzuviel Freizeit, aber das paßt ja sowieso zum japanischen Lebensstil. Weil ein richtiger Japaner ist ja auch rund um die Uhr mit irgendwelchen Tätigkeiten beschäftigt.

Mitte Oktober kamen auch zwei neue Dr. Studenten zu uns. Einer aus Korea. Er trägt den sehr landesüblichen Namen Lee. Der 2. kam zu mir ins Büro. Er ist ein 2. Piefke und heißt Markus Bentin. Auch er studierte Schiffbau in Hamburg. Mit ihm gemeinsam unternehme ich am Wochenende des oefteren einen Ausflug. So bestiegen wir den einen und anderen Berg, sowohl an der Küste als auch im Landesinneren. Gemeinsam nehmen wir auch an Ausflügen mit der Gansu Hiking Gruppe teil. So besuchten wir bei einem der letzten Ausflüge des alten Jahres nach der Bergtour eine Kagura Vorführung. Kagura ist japanisches Theater. Bei der Vorführung ging es darum, daß eine Frau sich in einen bösen Fuchs verwandelt. Die Frau verführt die Leute und tötet als Fuchs einen Priester, der sie bekämpft. Schließlich kommen 2 wackere Helden, die den Fuchs, also das Böse töten. Allerdings ist es nicht lange tot, am Ende steht es wieder alleine auf der Bühne. Die Geschichte soll wohl zeigen, daß das Böse nie besiegt werden kann, und man immer aufpassen muß. Nach dem Theater besuchten wir ein japanisches Thermalbad - onsen genannt. Nachdem man sich entkleidet hat, waescht man sich ordentlich, dann besteigt man die Becken mit dem heissen Wasser und siedet ein bißchen. Dazu kann man Sake trinken und sich unterhalten, wobei wir nur letzteres taten, weil wir keinen Sake hatten. Dieser Onsen Besuch ist aber jedenfalls ein Vergnügen, das wir diesen Winter sicher noch des öfteren wiederholen wollen.

Nun denke ich aber, genug berichtet zu haben, im nächsten Japnbrief berichte ich dann über ein paar Erfahrungen die man als Autofahrer so in Japan macht...

Ich denke, er wird etwas schneller folgen, als der diesige dem letzten
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:-) Gernot

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