Der 7. Japanbrief

Januar 2000

Kon ichi wa!

Der erste Japanbrief im neuen Jahr beschäftigt sich natürlich mit dem Wechsel in ebendieses. Zuvor muß ich allerdings noch zwei Nachträge von Parties liefern, an denen ich teilgenommen habe. Die erste war am 22. Dezember die Party der ingenieurwissenschaftlichen Fakultät. Es gab wieder eineige Tische mit Buffet, vor allem japanische Speisen wurden angeboten. Außerdem erhielt jeder Besucher der Veranstaltung eine Karte um Bingo mitzuspielen. Ein Spiel, welches sich in Japan bei derartigen Veranstaltungen großer Beliebtheit erfreut. Mir gelang es einigermaßen früh eine Reihe zusammen zu haben und ich war dann der stolze Gewinner von 2 Telefonkarten im Wert von 1000 Yen. Nach erfolgter Abholung des Gewinns konnte ich mich wieder in Ruhe der Nahrungs- und Getränkeaufnahme widmen. Danach gab es als Programm Studenten, die kurze Reden über ihre Länder hielten. Genaugenommen waren es nur zwei, ein Neger, der von Tansania erzählte und danach meinereiner. Auf Grund der Reaktionen des Publikums glaube ich behaupten zu können, daß die Japaner an Österreich mehr Interesse haben, als an Tanzania. Mußte ich doch, nachdem ich an unseren Tisch zurückgekehrt war, noch etliche Fragen zum Thema Österreich beantworten. Interessant war wieder zu beobachten, was die japanische Kultur hier so für ein Benehmen verursacht. Während ich mich mit einem Professor unterhielt und dabei mein Bierglas leerte, sprang ein zweiter Professor, der sich dem Tisch sehr zaghaft genähert hatte herbei, um mir sofort nachzuschenken und in die Runde aufgenommen zu werden. Es ist nämlich in Japan sehr unhöflich sich auf solchen Veranstaltungen selbst etwas einzuschenken, vor allem dann wenn man mit jemandem redet. Und auf die Art und Weise hat sich dieser Herr als Gesprächspartner qualifiziert. Natürlich war dann die Veranstaltung genau nach Zeiteinteilung beendet, eine Sache die ich bedauerlich finde, weil dann sofort wieder in die Büros zurückgegangen wurde, um weiterzuarbeiten, während ich gerne noch die Gelegenheit zu weiteren Gesprächen mit einheimischen wahrgenommen hätte.

Dies war aber nicht die letzte Party, von der ich Euch in diesem Brief berichten will. Am Montag nach Weihnachten, gab es in unserem Lab, das heißt alle Studenten die von meinem Professor betreut werden, eine Präsentation der Arbeiten - auf japanisch - im Raum der Studenten. Ich wurde ersucht auch teilzunehmen, if I have time, und die hatte ich natürlich. Ich vermute mal, dies ist eine höfliche Floskel meines Professors, es würde wahrscheinlich nicht gut ankommen, sollte ich keine Zeit haben. Jedenfalls folgte ich den Präsentationen und konnte auf Grund der gezeigten Bilder auch das eine oder andere Forschingsthema erraten. In unserem Lab beschäftigen sich die Leute mit Ermüdung und Korrosion, so wie ich, andere entwickeln irgendwelche Robotergeschichten. Mir ist es auch gelungen, das eine oder andere in Katakana geschriebene Wort zu entziffern. Alles in allem ein interessanter Nachmittag. Der Höhpunkt kam jedoch, als Sensei sich aufregte, daß die Studenten flackernde Neonröhren nicht ausgetauscht hätten. Also gingen natürlich sofort einige neue Neonröhren holen, um die schadhaften außutauschen und zwar mitten in den Vorträgen. Als die Herren begannen den Tisch, auf dem ich meinen Laptop deponiert hatte hin und her zu rücken, um sich drauf zu stellen, bin ich ein klein wenig nervös geworden um

- den Laptop zu sichern was ich durch

- Unterstützung der Studenten, beim Auswechseln erreichte.

Ich brauche nämlich keinen Tisch um die Neonröhren aus der Fassung heraußunehmen, und habe daher kurz entschlossen zugegriffen und selbige ausgetauscht. Die Japaner waren meiner Ansicht nach irgendwie faßiniert. Danach hatte ich ein Gespräch mit sensei, an dessen ende erklärte er mir, daß wir jetzt alle zur LAb party gehen würden. Gut, daß ich keine Roundzvous mit meinen zahllosen japanischen Verehrerrinnen ausgemacht hatte (is ja immerhin ain schöner Gedanke). also Party in einem restaurant in der Nähe. Es wurde immer wieder neues Essen gebracht, immer wieder neues Bier, wir sind am Boden gesessen, aber gott sei dank, war unter den Tischen eine Vertiefung, also gab es diesmal keinen Muskelkrampf, so wie bei der Wihnachtsparty, von der ich schon im 6. Japanbrief berichtet habe. Das lustige war, daß alle Speisen, die wir bekamen, eigentlich als Portion für eine Person gedacht waren und wir so die ganze Speisekarte rauf und runter essen konnten. Und die japanische Küche hat durchaus ihre Köstlichkeiten zu bieten. Angefangen von diversesten Fischen, Meerestieren und auch Gewächsen an die der europäische Gaumen sich gewöhnen muß, über vor allem Hühner- und Schweinefleisch in diversen Zubereitungsarten, herrlich....

Ich durfte auch 2 mal etwas bestellen, und wählte halt die Speisen, wo mir die Schrift am besten gefiel. Meine Wahl war übrigens gar nicht so schlecht.

Danach begannen die japanischen Weihnachtsferien, die Heizungen wurden abgestellt und auf der Uni kehrte Ruhe und Frieden ein. Da das Gas teuer ist und der Strom auch verbringen wir trotzdem die meiste Zeit hier. In jedem Büro stehen Gasbrenner um zu heizen, und das Gas kostet ja nix. Ist also billiger und lustiger als alleine zu Hause. Weiters habe ich meine ersten Erfahrungen mit der japanischen Polizei gemacht, weil ich einen rumänischen Kollegen, der einen Parkschaden verursacht hatte zu selbiger begleitet hatte. Japanische Polizisten können auch kein Englisch, allerdings war irgend eine Büroangestellte in der Lage zu dolmetschen und wir konnten alles bereinigen.

Auch den letzten Tag des alten Jahres verbrachten wir arbeitender Weise auf der Uni. Die Rumänen planten irgendwas in Hiroshima zu organisieren, allerdings hatten Piefke und ich die Vermutung, daß dort tote Hose sein würde. Und wir hatten auch recht. Abgesehen von einer ausländisch geführten Bar war alles in Hiroshima zu, und die Rumänen haben sehr viel Geld ausgegeben um dort zu feiern und irgendwann nach Higashi Hiroshima mit dem Taxi zurück zu kehren. Piefke und ich haben schön gekocht, Chu-Hi und Sekt getrunken und auf das Zuschlagen des Y2K Bugs gewartet. Aber abgesehen von einigen unwesentlichen Störfällen in ein paar Atomkraftwerken ist ja in Japan nichts weiter passiert. Den ersten Tag des neuen Jahres vebrachte ich damit zu leiden. Furchtbare Kopfschmerzen suchten mich nämlich heim, ich vermute im Chu-Hi stecken irgend welche nicht kompatiblen Alkohole, oder ich hätte dem Piefke mehr vom Sekt geben sollen. Wie auch immer, ich habe es überlebt und konnte am Abend schon wieder einigermaßen klar denken. Neujahr selbst ist ja ein Japan ein sehr intimes Familienfest, ähnlich wie bei uns Weihnachten. Die Kinder fahren nach Hause und besuchen ihre Eltern. Da in Japan die Leute im Schnitt sehr alt werden fahren auch die älteren Japaner, wie zum Beispiel mein Professor ihre Eltern besuchen. einer der Japaner, den ich auf der Christmasparty kennengelernt habe war sehr traurig, weil er das erste mal in seinem Leben an diesem Tag nicht gemeinsam mit seinen Eltern feiern konnte.

am 2. Jänner waren wir von Motomitsu san zu einer japanese New Years party eingeladen. Motomitsu ist ein alter Herr, der uns unter anderem im Herbst zum red leaves Ausflug eingeladen hat. Der Piefke, ein Rumäne und ich sind dann mit Motomitsu als erstes zu einem japanischen Schrein gefahren um für ein gutes Neues Jahr zu beten. Auf japanisch heißt ein gutes neues Jahr: akemashite omedeto gozaimasu. Wir haben dann beim Schrein in die Hände geklatscht und diese Worte gesagt. Fotos habe ich auch gemacht, diese werde ich demnächst auf meiner Homepage zum Anschauen zur Verfügung stellen. Das in die Hände Klatschen vor dem Gebet dient dazu, um die Geister die dort herumschwirren auf sich aufmerksam zu machen. NAch dem Besuch des Schreins fuhren wir weiter um einen japanischen (buddhistischen?) Tempel zu besichtigen. Dieser war sehr prunkvoll eingerichtet, alles ist mit Gold verziert. Vor dem Tempel steht ein großes Regal für Schuhe, weil so wie eigentlich alle Gebäude in Japan, darf man auch den Tempel nicht mit Schuhen betreten. Nach dem Besichtigen des Tempels mußten wir alle drei die Tempelglocke läuten. Dies geschieht mit Hilfe eines kleinen Baumstammes, der vor der starr befestigten Glocke hängt und gegen diese geschlagen wird. 5 schallende, weithin über das Land klingende Schläge werden uns wohl zu viel Glück und Erfolg in diesem Jahr verhelfen.

Danach fuhren wir mit Motomitsu zu dessen privaten Haus. Dieses bewohnt er gemeinsam mit seinem 95 Jahre alten Vater und seiner Frau. Kinder und Enkelkinder gibt es auch, diese wohnen aber in anderen Städten, sonst würden sie wahrscheinlich auch in dem Haus wohnen. Motomitsu zeigte uns seinen japanese Garden, er besitzt außerdem einen Fischteich mit weiß rot gelb schwarzen Zierkarpfen. Danach betraten wir Motomitsus Haus, und zwar gleich das Tatami Zimmer durch eine Außentüre. Tatami sind aus Reisstroh geflochtene Matten, die eine Normgröße besitzen. Flächenmaße in Japan werden in Tatami angegeben. Und die zimmer sind alle so dimensioniert, daß man sie vollkommen bodenbedeckend mit Tatami auslegen könnte, wenn man das wollte. 1 Tatami entspricht ca. 1,4 m^2. In der Mitte des Raumes stand ein niedriger tisch auf einem Teppich. Wir nahmen also im Türkensitz Platz und steckten unsere Füße unter die Decke, die am 2. Tisch befestigt war. Der Tisch dient nämlich gleichzeitig als Heizung. Man bekommt also während man dort sitzt seeeehr warme Füße, während der Kopf schön kühl bleibt. Zu essen gab es typische japanische Speisen, darunter spezielle Neujahrskuchen, die alle irgendein Symbol zeigten, das was bedeuten soll. Allerdings wußte Motomitsu selbst auch nicht die Bedeutungen der einzelnen Symbole zu erklären, so daß für mich meine Zukunft nach wie vor ein wenig im Dunkeln liegt. Weiters gab es diverse Meeresfrüchte, Sushi, Bier und als Nachspeise Reiskuchen, der in Bohnensuppe (süß) gekocht wurde. Schmeckte interessant, aber gut. Für den kommenden Sonntag (übermorgen) sind wir wieder zu einem sogenannten bamboo fire festival eingeladen, wir hoffen, daß das Wetter uns keinen Strich durch die Rechnung macht.

Das war's bis auf weiteres, sobald die Fotos zu sehen sind, werde ich Euch informieren und bis dahin wünsche ich Alles Gute

sayonara

gp

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