Der 1. Japanbrief

Oktober 1999

Konichi wa!

Nun will ich Euch also über meine ersten Eindrücke von diesem Land berichten.

Die Probleme begannen am Bahnsteig. Ich hatte eine Karte, konnte aber nicht erkennen, wo auf der Reservierung die Sitznummer steht. Als nächstes merkte ich, daß der durchschnittliche Japaner des gesprochenen Englisch überhaupt nicht mächtig ist. Aber sie waren trotzdem sehr freundlich, und irgendwie schaffte ich es mit ihrer Hilfe den richtigen Platz im richtigen Zug zu finden.

In Higashi-Hiroshima wurde ich vom Professor abgeholt und gleich zum Essen eingeladen. Dann begann der Behördenweg. Ein japanischer Student Sakaguchi san war mir dabei behilflich. Allerdings konnte er auch nicht wirklich englisch sprechen,so daß ich ihm quasi blind vertrauen mußte, daß er alles richtig macht. Ich denke aber es hat funktioniert. Die Beamten hier sind noch viel besser als in Österreich. Wo man bei uns ein Formular braucht, braucht man hier drei bis fünf Zettel. Dafür braucht man keine Stempelmarken. Ein kleiner Vorteil.

Nach der Behörde kam die Suche nach einer Wohnung. Ich fand mit Hilfe einer Maklerin und natürlich Sakaguchis ein 0 8/15 Appartement single person in günstiger Lage zu einem weniger günstigem Preis. Es liegt nahe der Uni und sehr nahe bei einem großen EKZ, sodaß ich jetzt nur noch japanische Schriftzeichen lernen muß, damit ich alles kaufen kann, was mein Herz begehrt. Mein Appartement war nämlich nichty möbliert, sondern komplett leer. Also kauften wir Bett, Herd (Gas very cheap), Vorhänge, Kühlschrank, Schreibtisch, Sessel, die ich nächste Woche wieder umtauschen werde, weil sie nicht für 95 kg Europäer gebaut sind, und allen möglichen Kleinkram, den man in einer Wohnung halt so braucht.

Mit zwei anderen Doktoranden habe ich dann gleich das Mobiliar bei ein paar Bieren (Dosenbier, schmeckt sogar), Sushi und importierter Salami getestet, was zu dem unbefriedigendem Ergebnis von zwei zerstörten Sesseln führte. Meine ersten Eindrücke über Land und Leute habe ich auch schon gesammelt, allerdings teile ich Sie Euch erst das nächste mal mit, weil ich jetzt Sushi essen gehe.

Saionara

Gernot

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